Seitfallrückzieher, College‐Alltag und die Sache mit der Mentalität🤔

Sportlich läuft es bei uns im Moment noch nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt haben. Gegen Stony Brook gab es am Dienstag eine 1:3‑Niederlage.

Für mich persönlich hatte das Spiel trotzdem einen ziemlich besonderen Moment.

Ich kam in der 27. Minute ins Spiel. Zu diesem Zeitpunkt lagen wir bereits 0:1 hinten.

Sieben Minuten später kam ein langer Einwurf von Connor Froberg in den Strafraum, Lean Husterer verlängerte den Ball per Kopf – und ich dachte mir offenbar: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Also Seitfallrückzieher.

Der Ball war drin. 1:1 in der 34. Minute.

Mein erstes Tor für Rhode Island. Mein erstes Tor auf Division‐I‐Level. Und dann direkt so eins.

Ich würde gerne behaupten, dass das exakt so geplant war. War es natürlich nicht. Aber wenn man sieben Minuten nach seiner Einwechslung per Seitfallrückzieher trifft, muss man im Nachhinein auch nicht zu viele Fragen stellen.

Die offizielle URI‐Zusammenfassung sprach von „acrobatics“. Klingt gut. Nehme ich.

In der 60. Minute war mein Arbeitstag dann auch schon wieder beendet.

Unterm Strich also: 33 Minuten Einsatzzeit, ein Tor und zumindest kurzzeitig die Hoffnung, dass das Spiel vielleicht doch noch in unsere Richtung kippt.

Leider tat es das nicht.

Stony Brook erzielte in der zweiten Halbzeit noch zwei Tore und gewann am Ende 3:1.

Das Interessante daran: Wir hatten am Ende mehr Torschüsse, mehr Schüsse aufs Tor und mehr Eckbälle.

Man könnte also sagen: statistisch waren wir ziemlich beschäftigt.

Nur leider gibt es für „ziemlich beschäftigt“ keine drei Punkte.

College wird inzwischen auch wirklich College

Neben dem Fußball wird inzwischen auch der akademische Teil anspruchsvoller.

Die Kurse sind deutlich intensiver als am Anfang. Mehr Stoff, mehr Vorbereitung, mehr Abgaben – und das Ganze natürlich parallel zu Training, Spielen, Reisen und Regeneration.

Das Zeitmanagement entwickelt sich deshalb langsam zu einer eigenen Sportart.

Morgens Vorlesung, danach Training, zwischendurch irgendetwas essen, lernen, schlafen und am nächsten Tag wieder von vorne.

Der Vorteil: Man lernt ziemlich schnell, freie Zeit zu schätzen.

Selbst 30 Minuten können sich plötzlich wie Urlaub anfühlen.

Und wie läuft es als Mannschaft?

Da ist im Moment noch Luft nach oben.

Unser Trainer legt viel Wert auf Mentalität, Einsatz und Intensität. Das ist wichtig – aber manchmal fehlt mir noch etwas die klare spielerische Linie.

Gerade wenn man aus Deutschland kommt, wo gefühlt selbst für einen Einwurf drei Laufwege erklärt werden, ist das schon ein Unterschied.

Hier heißt es öfter: „Compete.“

In Deutschland wäre es eher: „Compete – aber bitte im richtigen Halbraum.“

Mal sehen, wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt.

Und wenn nicht, muss ich eben weiterhin Seitfallrückzieher versuchen.

Sieben Minuten nach der Einwechslung hat das zumindest schon einmal ganz ordentlich funktioniert.

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